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EUROPEAN PRESSURE ULCER ADVISORY PANEL Nutritional Guidelines for Pressure Ulcer Prevention and Treatment |
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Überprüfung und Beurteilung
des Ernährungszustands Ernährungsmaßnahmen
Falls bei der Überprüfung oder Beurteilung des Ernährungszustands eine mögliche Mangelernährung festgestellt wird, sollten gezielte Ernährungsinterventionen in Erwägung gezogen werden. Vorrangiges Ziel dieser Maßnahmen ist im Allgemeinen die Korrektur eines Protein- oder Kalorienmangels, und zwar bevorzugt durch orale Nahrungsaufnahme. Bei der Überlegung, welche Beschränkungen in der normalen Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme vorliegen, sollte man neben lokalen Gegebenheiten wie der Leichtigkeit des Zugangs zur Nahrung sowie sozialen und funktionalen Fragen ebenfalls die Zusammensetzung der Diät berücksichtigen. Die Veränderung dieser Faktoren kann eine vermehrte orale Nahrungsaufnahme fördern oder überhaupt erst ermöglichen. Insgesamt sollte das Ziel eher sein, die Qualität und Energiedichte der aufgenommenen Nahrung zu verbessern, statt die Quantität der Nahrungsaufnahme zu erhöhen. Bei der Flüssigkeitsaufnahme ist die Quantität allerdings ebenso wichtig wie die Qualität. Falls eine Verbesserung der normalen oralen Nahrungsaufnahme nicht möglich ist, sollte ein/e protein- und kalorienreiches/e Supplemente oder Trinknahrung erwogen werden (Empfehlung IB; Benati et al 2001, Bourdel-Marchasson et al 2000, Breslow et al 1993, Chernoff et al 1990, Delmi et al 1990). Der Nutzen von Vitaminen und Spurenelementen als Nahrungsergänzung in Bezug auf eine Dekubitusprophylaxe ist unklar (Empfehlung IB; Taylor et al 1974, ter Riet et al 1995). Wenn eine normale Nahrungsaufnahme plus orale Supplemente eine aufgetretene Mangelernährung nicht beseitigen kann, sollten andere Applikationsformen (zum Beispiel per Magensonde) gewählt werden, wobei die mit diesen Maßnahmen verbundenen Risiken erwogen werden sollten. Während die Dosierung der oralen Supplemente oder Trinknahrung, die ein Patient benötigt, variiert, kann allgemein festgestellt werden, dass täglich ein Minimum von 30–35 kcal/kg Körpergewicht einschließlich 1–1,5 g Protein/kg Körpergewicht sowie mindestens 1 ml Flüssigkeit/kcal erforderlich sind. Eine genauere Ermittlung des Energiebedarfs kann durch die Verwendung von Standard-Gleichungen wie der Formeln von Harris-Benedict oder Schofield erfolgen, es empfiehlt sich jedoch, hinsichtlich der Anwendung und Auslegung dieser Formeln die Beratung einer Ernährungsfachkraft (soweit verfügbar) oder eines multidisziplinären Teams in Anspruch zu nehmen. Der Erfolg der Ernährungsmaßnahmen sollte im Rahmen der laufenden, regelmäßig durchgeführten Beurteilung des Ernährungszustandes überprüft werden und kann durch Ergebnisse wie Gewichtszunahme oder verbesserte funktionale Fähigkeiten und/oder verbesserte gesundheitsbezogene Lebensqualität angezeigt werden. Der Erfolg von Ernährungsmaßnahmen kann darüber hinaus an einer reduzierten Dekubitusinzidenz oder der Heilung bestehender Dekubitalulzera gemessen werden. Die regelmäßige Evaluation der Wirkung von Ernährungsinterventionen ist erford-erlich, wobei man sich bewusst sein sollte, dass die Wirkungen von zusätzlicher Ernährung und/oder Supplementen bei mangelernährten Personen nicht sofort offensichtlich werden, wahrscheinlich weil zunächst die entleerten Reserven aufgefüllt werden. Bei Patienten mit bestehenden Dekubitus sollte regelmäßig eine ähnliche Vorgehens-weise gewählt werden (normale Ernährung, dann orale Supplemente, zuletzt Ernährungs-sonde), obwohl der Bedarf höher sein kann. Basierend auf kontrollierten Studien gibt es einige Beobachtungen über die Rolle von Ernährungsdefiziten bei der Dekubitusheilung – so scheint sich die Ergänzung von Proteinen und die Erhöhung der Energiezufuhr, zusammen mit der Verwendung von Arginin, Vitaminen und Spurenelementen mit anti-oxidativen Effekten, positiv auf die Heilung auszuwirken (Empfehlung IB; Benati et al 2001, Bourdel-Marchasson et al 2000, Breslow et al 1993, Chernoff et al 1990, Delmi et al 1990). Der Effekt von Ascorbinsäure als Nahrungsergänzung erscheint derzeit unklar (Empfehlung IB; Taylor et al 1974, ter Riet et al 1995), und die Nachweise für eine Wirkung von zusätz-lichen Zinkgaben sind schwach (Empfehlung IB; Norris 1971). Möglicherweise müssen bei bestehendem Dekubitus bestimmte Probleme gelöst werden, bevor die Wirkung der Ernährung verbessert werden kann – zum Beispiel die Verminderung des Wundgeruchs, ein verändertes Körperbild, durch den Dekubitus verursachte Schmerzen oder ein Verlust an Selbstachtung –, weil diese Probleme die Nahrungsaufnahme einschränken können. Bei Patienten mit schweren Dekubitus (Grad 3 und 4) sollte das multidisziplinäre Team den erhöhten Grundenergie-Umsatz bedenken sowie dem erhöhten Flüssigkeits-verlust, der mit solchen Wunden einhergeht, besondere Aufmerksamkeit widmen. Die Nahrungsbedürfnisse spezieller Personengruppen können von den in dieser Richtlinie beschriebenen Grundsätzen abweichen, zum Beispiel bei rückenmarksverletzten Patienten. Die Beurteilung des Ernährungszustandes und die beschriebenen Ernährungs-maßnahmen sollten selbstverständlich mit allen anderen angemessenen Interventionen einschließlich der Druckentlastung kombiniert werden. In dieser Leitlinie wurden verschiedene spezielle Themen nicht angesprochen – die Einschätzung des Ernährungszustands sowie Ernährungsmaßnahmen bei Neugeborenen und Kleinkindern, die Rolle der parenteralen Ernährung sowie spezielle Bedürfnisse von einzelnen Gruppen wie Patienten mit Immunsuppression oder Krebs, orthopädische, verletzte und chirurgische Patienten oder Patienten mit Verbrennungen. Pharma-kologische Interventionen wie die Gabe von Anabolika wurden ebenfalls nicht betrachtet. Im Hinblick auf alle vorgenannten Empfehlungen zur Beurteilung des Ernährungs-zustands und zur Supplementation sollten alle konkreten Entscheidungen unter Berücksichtigung der Wünsche des Patienten und der allgemeinen Behandlungsziele getroffen werden. Schulung Published in 2003. |
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